Der Autor

ralph-neubauer-portraitLiebe Leserin, lieber Leser,

was könnten Sie über den Autor der Südtirolkrimis wissen wollen? Was könnten Sie interessant finden? Diese Fragen habe ich mir gestellt und hier ist der Versuch einer Antwort:

Ich bin Jahrgang 1960. Jetzt wissen Sie schon einmal, wie alt ich bin.

Ich bin seit 1987 verheiratet. Meine Frau und ich haben zwei erwachsene Kinder. Jetzt wissen Sie, dass ich die „Klassik-Variante“ einer Partnerschaft gewählt habe.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Düsseldorf. Jetzt wissen Sie, dass der rheinische Karneval zu meiner Sozialisation beigetragen hat. Daraus entwickelt sich eine Weltanschauung, die der rheinische Kabarettist Konrad Beikircher (ein geborener Südtiroler!) in seinem unendlichen Programm „Die Rheinische Trilogie“ trefflich auf die Formeln gebracht hat:

„Et kütt wie et kütt.“

(„Es kommt, wie es kommt.“ Damit meint der Rheinländer, dass man nichts am Lauf der Dinge ändern kann. Also macht es keinen Sinn, darauf Einfluss nehmen zu wollen.)

„Et hätt noch immer jut jejangen.“

(„Es ist noch immer gut gegangen.“ Damit wird der Rheinische Gleichmut beschrieben. Alles ertragen, egal, wie dick es kommt. Denn am Schluss ist es schon irgendwie in Ordnung.)

Ich könnte das jetzt ausführlich beschreiben, aber besser ist, sie schauen sich das Originalprogramm einfach bei Gelegenheit mal an. Dann begreifen Sie die rheinische Art.

Ich sage immer: Der Rheinländer ist der geborene Taoist. Auch wenn er dabei nicht unbedingt wissen muss, was ein Taoist ist. Der lebt das einfach. Schon immer.

Bei der Gelegenheit: Ist schon ulkig, dass ein geborener Südtiroler den Rheinländern erklärt, wie sie ticken. Aber Beikircher ist ja auch durch eine harte Schule gegangen. Ich sag nur: „Bonner Vermieterin“. Erzählt er Ihnen in der frühen Phase seiner unendlichen Trilogie. Ich weiß gar nicht, wo der aktuell steht. Folge 19 oder 20?

Jedenfalls können Sie, sollten Sie nicht im Rheinland geboren worden sein und trotzdem wissen wollen, wie der Autor dieser Zeilen tickt, die Beikircher-Schriften studieren. Dann wissen Sie, wie der Mensch im Rheinland sozialisiert wird.

So, jetzt wissen Sie auch das. Was gibt es sonst noch?

Da ist noch was. Und sonst  noch was. Aber ich will Sie ja nicht damit langweilen, dass ich als 12-jähriger bei den Bundesjugendspielen eine Siegerurkunde erturnt habe.

Also erzähle ich Ihnen das, was Sie vermutlich an dieser Stelle wirklich interessiert:

Wieso schreibt ein Rheinländer Südtirolkrimis?

Ich zerlege das jetzt mal in drei Fragen:

    1. Warum schreibt der Mann Krimis?
    2. Warum handeln die in Südtirol? Der Autor lebt rund 1.000 Kilometer vom Handlungsort entfernt!
    3. Warum gerade in Prissian?

Krimis haben mich schon immer begeistert. Ich habe viele Meter Buchrücken in meinen Regalen stehen. Und irgendwann kam der Gedanken, es selber mit dem Krimi schreiben zu versuchen. Bei Krimis gibt es viele Genres. Mir hat dabei der Regionalkrimi besonders gut gefallen. Er ist so etwas wie der Nachfolger der Heimatromane. In Nordrhein-Westfalen, wo ich lebe, gibt es viele, teils sehr erfolgreiche Regionalkrimireihen. Und als ich mich nach einem „unbeschriebenen“ Flecken umschaute, fand ich keinen mehr in Nordrhein-Westfalen.

In Südtirol habe ich bei meinen Streifzügen durch die Buchhandlungen im Jahr 2006 keine Regionalkrimis gesehen. Damals sind mir allerdings die Krimis von Kurt Lanthaler nicht begegnet, der bereits in den 90-er Jahren Krimis schrieb, die auch in Südtirol spielen. Seine Figur des Tschonie Tschenett ist nicht nur ein interessanter Charakter, sondern leuchtet kritisch hinter die Fassaden. Und genau zwei Monate bevor mein erster Krimiband im März 2012 erschien, kam "Almrausch" von Felix Leibrock auf den Markt. Und nach mir kamen weitere Autoren, die ihre Figuren in Südtirol agieren lassen. Jetzt ist auch Südtirol kein unbeschriebenes Fleckchen mehr.

Das diese Land nach meinen Beobachtungen im Jahr 2006 ein "unbeschriebenes Fleckchen" war, ist aber nur ein Aspekt, warum ich Südtirolkrimis schreibe. Ich „kenne“ das Land seit mehr als 25 Jahren. Und ich schätze das Land, seine Menschen und seine Küche sehr. Das Verb „kennen“ habe ich deshalb in Gänsefüßchen gesetzt, weil ich weiß, dass ich nichts weiß. Jedenfalls nicht viel und schon gar nicht alles. Denn so klein Südtirol ist, so vielfältig ist das Land und seine Menschen. Auch heute finde ich immer noch etwas Neues. Aber in 25 Jahren habe ich viele Eindrücke sammeln können. Und die besonders in Prissian, weil ich dort meist wohne. Also startet der Erste Band der Krimiserie in dem Ort, in dem ich mich am besten auskenne. Jeder Folgeband wird dann eine andere Ecke Südtirols ausleuchten. Aber die fiktiven Hauptfiguren „leben“ in Prissian und Tisens und so werden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auch in den Folgebänden noch das eine oder andere aus diesen Dörfern und deren Umgebung kennen lernen.

Wie schreibt man einen Krimi? - Ein Werkstattbericht

Vielleicht interessiert es Sie, wie man das macht – einen Krimi schreiben. Ich habe kein Patentrezept, aber ich mache das so:

Zuerst denke ich mir aus, warum einer einen umbringt. Zu Band 1 zum Beispiel hatte ich die Idee nach einer Zeitungslektüre. Da wurde über den tödlichen Unfall eines Bauern berichtet, der von seinem umgestürzten Traktor zerquetscht worden ist. Das ist in Südtirol nicht ungewöhnlich. Schauen sie sich die steilen Hänge an. Dort mit dem Traktor zu fahren ist nicht so einfach und führt auch schon mal zu einem Unfall. In derselben Zeitung war auch über einen Mord unter Verwandten berichtet worden. Das Motiv war Habsucht. Der Mörder wollte ans Erbe. Und so müssen Sie sich vorstellen, wie ich da im Garten des Trogerhofs saß, Zeitung las und mir die ersten Gedanken zu „Rache ist honigsüß“ gekommen sind. Der Plot entwickelte sich eigentlich schnell. Binnen zweier Tage hatte ich das Rohgerüst stehen. Aber die eigentliche Arbeit ist das Erfinden der Figuren. Die müssen in sich stimmig komponiert werden. Da ist viel Feinschliff nötig. Und dann erst geht es ans Schreiben. Krimis zu schreiben ist also vor allem eins: Handwerk.

Und jetzt kommt das für mich Besondere: Ich sitze nicht immer im stillen Kämmerchen und brüte vor mich hin. Das mache ich zwar auch. Aber ich rede viel lieber über den aktuell in Arbeit befindlichen Krimi mit meinen Freunden. Und die reden gerne mit. Und steuern aus ihrem Wissen bei. Ich arbeite seit vielen Jahren für die Justiz in Nordrhein-Westfalen. Ich hatte viele sehr unterschiedliche Funktionen inne. Die meiste Zeit meines Berufslebens habe ich mich aber mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt. Dadurch kenne ich viele Menschen aus der nordrhein-westfälischen Justiz. In den Südtirolkrimis findet sich deshalb ein fundiertes Wissen rund um alle denkbaren kriminellen Bereiche, gespeist aus vielen Gesprächen mit einem Oberstaatsanwalt, einer Psychologin aus dem Strafvollzug und weiteren „Justizmenschen“. Gehen Sie davon aus, dass die im Hintergrund der Krimihandlung beschriebenen Abläufe gut recherchiert sind und Ihnen einen kurzen Einblick in das reale Kriminalitätsgeschehen dieser Welt geben. Aber diese Hintergrundinformationen sollen nur so eine Art Moll-Ton im Konzert darstellen. Denn der Krimi soll Sie in erster Linie unterhalten. Und deshalb finden Sie als Roten Faden die Entwicklung der Hauptfigur, „Fabio Fameo“, und seiner Freunde. Damit kann ich alles denkbare beschreiben – was mir halt so einfällt. Wie geht das weiter mit Fabio und Elisabeth? Hat Caruso „Dunkle Seiten“, von denen man nichts ahnt? Ist der Vicequestore eine zwielichtige Figur? Fragen über Fragen. Aber auch ich weiß noch nicht, wie ich sie beantworte! Ich lass mich da mal überraschen.

Und dann ist es ganz wichtig für mich, dass die Prissianer und die Tisener bei dem Krimiprojekt mitmachen. Stellen Sie sich das mal vor: Da kommt einer daher, will Originalschauplätze für eine fiktive Handlung benutzen und lenkt damit vielleicht das Interesse auf echte Menschen, die in diesen Originalschauplätzen leben und arbeiten. Als ich das Krimiprojekt den Inhaberinnen und Inhabern der Originalschauplätze vorgestellt habe, hatten wir einen sehr netten Abend, den ich nicht vergessen werde. Das war im Februar 2009. Das Manuskript war fertig, der Verlag wollte es veröffentlichen. Ich hatte keine Ahnung, ob die Menschen, deren Wirkungstätten ich im Manuskript verwandt hatte, damit einverstanden sind. Hätte auch nur einer nicht mitgemacht, hätte ich den Plot umschreiben müssen. Besonderen Dank schulde ich deshalb der echten Apothekerin aus Tisens, Frau Dr. Margot Vinatzer. Ich brauchte für die Handlung eine Pharmaziekundige  Person. Im Idealfall eine Frau, in die sich der Held, „Fabio“, verlieben konnte. Aber ich kannte die echte Apothekerin bis zum Februar 2009 nicht. Die fiktive Apothekerin, „Elisabeth Trafojer“, hatte ich im ursprünglichen Manuskript so beschrieben, wie ich sie mir als passendes Pendant für Fabio vorgestellt hatte. Klar, dass ich „Elisabeth“, die in der ursprünglichen Fassung noch „Manuela“ geheißen hat, sehr attraktiv gezeichnet habe. Und nun stand die echte Apothekerin im Februar 2009 genauso vor mir, wie ich mir die fiktive Apothekerin vorgestellt habe! Die Echte ertrug das nicht nur mit Humor, sie hat mir auch gestattet, dass ich die fiktive Figur in ihrer echten Apotheke in Tisens wirken lassen darf. Ich habe allerdings nach dem Treffen im Februar 2009 im Manuskript einige der äußeren Merkmale der Figur geändert, so dass sich die fiktive Figur von der echten Apothekerin unterscheidet.

Hätte ich nicht ein solches Entgegenkommen erfahren, wie ich es an diesem Beispiel beschreibe, hätte ich den Plot komplett umschreiben müssen. Also: Danke an alle in Prissian, Danke an alle in Tisens!

Meinen kleinen Dank drücke ich dadurch aus, dass echte Personen quasi als Statisten kurz durchs Bild huschen. Dabei achte ich sorgsam darauf, dass die Leserschaft keine Gelegenheit erhält, sich ein Bild von Ihnen zu machen. Die „Statisten“ erscheinen als „flache Charaktere“, als eindimensionale Figur. Im Ersten Band ist das zunächst Brigitte Unterholzner, die die Gäste im Trogerhof betreut. Mit der Familie Unterholzner bin ich seit Jahren befreundet. Die Fotos, die sie auf dem „Rundgang“ sehen, stammen alle von Martin Unterholzner, dem Schwager von Brigitte. Und Sie, verehrte Leserschaft, merken damit, dass dieser Krimi ein Werk ist, an dem viele Menschen auf vielfältige Art und Weise mitwirken. Vielleicht stelle ich Ihnen den einen oder die andere später einmal vor. Mal sehen.